Rolf Dautzenberg

geb. 6.2. 1945 – gest. 21.7. 2005

Einer der herausragenden Charaktere der deutschen Sulkyfahrer nach dem Zweiten Weltkrieg war zweifelsohne Rolf Dautzenberg. Schon während seiner Ausbildung zum Elektriker zog es den geborenen Mönchengladbacher immer wieder auf die Trabrennbahn an der Niersbrücke. Zunächst putzte er lediglich die Pferde im Stall Bandemer und baute somit Vertrauen zu den Tieren auf, bis er am 1. April 1964 in die Lehre bei Horst Bandemer eintrat.

Sein erstes Rennen fuhr Rolf Dautzenberg 1965 in Dinslaken. Mit der Stute Zeitlose wurde er als krasser Außenseiter Zweiter. Seinen ersten Sieg erzielte er auf der Mönchengladbacher Heimatbahn mit dem Wallach Yack aus dem Stall Sonnenschein. „Yack war so groß und schwer wie ein Elefant und konnte schneller pullen als die anderen laufen. Wir gewannen Start-Ziel ziemlich überlegen,“ erinnerte sich Rolf Dautzenberg später.

Horst Bandemer gab seinem hochtalentierten Lehrling alle Chancen. 1966 wurde Rolf Dautzenberg mit 31 Saisonerfolgen deutscher Lehrlingschampion. Die Berufsfahrerlizenz erhielt er am 7. April 1967 und am 1. Oktober 1973 bestand Rolf Dautzenberg die Trainerprüfung.

Rolf Dautzenbergs Suky-Karriere setzte sich im rasanten Tempo fort. 1974 gelang ihm mit 187 Fahrer- und 205 Trainersiegen der sechste Platz in der deutschen Fahrerwertung und nur ein Jahr später eroberte Rolf Dautzenberg mit 320 Sulky-Erfolgen sein erstes bundesdeutsches Fahrer-Championat. 1976 verteidigte er das Championat mit 340 Siegen und setzte mit dem Gewinn des Trainer-Championats von 378 Siegen ein weiteres Ausrufezeichen.

Zu den größten Triumphen in Rolf Dautzenbergs Karriere zählte unweigerlich auch der Europameister-Titel, den er sich 1976 sicherte. Als Titelverteidiger gelang ihm 1977 ein fünfter Rang.

Am 7. September 1975 steuerte Rolf Dautzenberg seinen ersten Zuchtrennensieger. Mit Gestüt Büntenhofs Hegrina triumphierte er im Jugend-Preis in Berlin-Mariendorf. Mit der Gerrol-Tochter eroberte Rolf Dautzenberg 1975 und 1976 insgesamt acht Lorbeerkränze in Zuchtrennen. Nur der Derby-Sieg blieb ihm mit der Stute vorenthalten, da das beste Pferd im Jahrgang keine Derby-Nennung besaß.

Einen seiner spektakulärsten Erfolge feierte Rolf Dautzenberg am 14. Oktober 1984 mit Stall Amsterdams Ivona Girl im Gold-Pokal in Gelsenkirchen gegen 20 Mitkonkurrenten. Es ging um die Rekordbörse von einer Million DM. Zwei weitere Pferde, mit denen Rolf Dautzenberg insbesondere in Verbindung gebracht wird, waren die kleine Stute Dissette und das „eiserne“ Pferd Reado. 12 Zuchtrennensiege fuhr Rolf Dautzenberg mit ihnen heraus.

Reado und Pik König zählten unter seinen zahlreichen Erfolgspferden zu seinen absoluten Lieblingen. Mit dem treuen Reado gelangen ihm in fünf Rennsaisons sieben Zuchtrennensiege und ein zweiter Platz in einem Einladungsrennen auf Pompano Park in Florida, USA. Der vielleicht schönste Erfolg gelang dem Traumpaar im Deutschen Traberchampionat 1993. Immerhin war Reado zu diesem Zeitpunkt bereits stolze elf Jahre alt.

Zweimal gewann Rolf Dautzenberg das Deutsche Traber-Derby. 1995 mit Pik König und 1996 mit General November. Der erste Derby-Sieg mit Pik König war insofern emotional, als Rolf Dautzenberg den Hengst im Jährlingsalter höchstpersönlich ausgesucht hatte. „Nach der Zieldurchfahrt, beim Austrudeln, realisierte ich langsam, dass dies kein normales Rennen war. Ich stieg ab, löste den Check und dann kamen ein paar Tränen,“ erinnerte sich Rolf Dautzenberg später. Zweimal gewann er mit dem Niton-Sohn in hochdotierten Rennen in Italien. 1994 im Gran Criterium in Mailand und 1996 im Gran Premio Tino Triossi in Rom.

Rolf Dautzenbergs Domäne war das Deutsche Traber St.Leger, in dessen Annalen er sich achtmal verewigt hat (1976: Hegrina, 1979: Tudor, 1985: Dissette, 1986: World Comfort, 1988: Monteverdi, 1989: Galicia, 1995: Pik König, 1996: General November). Nicht zu Unrecht trug in den letzten Jahren das St.Leger ihm zu Ehren seinen Namen als Untertitel.

Rolf Dautzenberg war ohne Zweifel der begehrteste catch-driver Deutschlands seiner Zeit. Sein Selbstvertrauen war unerschütterlich. „Zuchtrennen waren für mich keine Belastung, ich habe mich auf sie gefreut,“ hat er gesagt. Am 1. Mai 1993 saß Rolf Dautzenberg zum ersten Mal hinter dem Crack Sea Cove. Der Bild-Pokal über die Meile elektrisierte die Massen, denn nach einer Minute und 55,2 Sekunden (1:11,6) brach ein Jubel auf der Bahn in Gelsenkirchen aus. Es war das schnellste Rennen, das jemals auf einer deutschen Trabrennbahn gelaufen worden war.

Rolf Dautzenbergs letzte Zuchtrennensiege geschahen mit der Stute Chronik. Am 16. November 1997 siegte das Gespann im Daglfinger Stuten-Preis und eine Woche später im Deutschland-Pokal in Hamburg.

Ob seiner grandiosen Fähigkeit, Pferde im Finish aus der Hand schnell zu machen, wurde Rolf Dautzenberg von seinen Bewunderern „Atom-Rolf“ genannt. Eine Bezeichnung, die Rolf Dautzenberg aber nicht gern hörte. Ihm, der selbst in den allergrößten Rennen keine Nerven zeigte, war alles Bombastische eher fremd. Rolf Dautzenberg besaß einen ausgeprägten Optimismus, ohne dabei überheblich zu sein.

Bei allem sportlichen Glanz besaß die Karriere von Rolf Dautzenberg auch Rückschläge. Am 2. März 1991wurde er in Dinslaken unverschuldetes Opfer einer fürchterlichen Massenkollision, aus der er mit insgesamt 17 Frakturen am Becken, am linken Schulterblatt, beider Handgelenke, dreier Finger, des Mittelhandknochens und von acht Rippen, herauskam. Fast drei Monate verbrachte Rolf Dautzenberg im Krankenhaus.

Rolf Dautzenbergs schlimmster Gegner aber war eine angeborene Lungenkrankheit, die ihn nach und nach vor größere Probleme stellte. Seinen letzten Sulky-Auftritt hatte Rolf Dautzenberg am 4. Juli 2000 in Mönchengladbach, wo er sich mit Capitalist Diamant siegreich verabschiedete. Am Tage des Deutschen Traber St.Legers, das eigentlich „sein“ Rennen war, verkündete er offiziell seinen Abschied vom Trabrennsport. Rolf Dautzenberg erzielte während seiner Sulky-Karriere 5.318 Siege.

2005 sollte Rolf Dautzenberg eine neue Lunge erhalten, mit der er sich „ein zweites Leben“ erhoffte. Nach der Transplantation stellten sich leider erhebliche Komplikationen ein, die er nicht überlebte.

Rolf Dautzenbergs Zuchtrennensiege:

1975: Gerrols Adel: Bayern-Pokal (München); Hegrina: Jugend-Preis (B.-Mariendorf).

1976: Hegrina: Hamburger Traberpreis der Dreijährigen (Hamburg), Adbell Toddington-Rennen (B.-Mariendorf), Trophäe der Dreijährigen (Recklinghausen), Buddenbrock-Rennen (B.-Mariendorf), Arthur Knauer-Rennen (B.-Mariendorf), Bayern-Pokal (München), Deutsches Traber-St.Leger (Gelsenkirchen).

1977: Firrus: Goldenes Pferd (Dinslaken).

1978: Schirokko: Goldenes Pferd (Dinslaken), Tudor: Rennen Nr. 4 (Straubing).

1979: Optimist: Großer Preis von Ruhleben (B.-Mariendorf), Niersia-Pokal (Mönchengladbach), Pokal der Vierjährigen (Straubing); Tudor: Deutsches Traber St.Leger (Gelsenkirchen)

1980: Candy Light: Dinslakener Zweijährigen-Preis (Dinslaken).

1981: Babesia: Championat der Fünfjährigen (Gelsenkirchen), Deutscher Stuten-Preis (Recklinghausen); Dauci: Hammonia-Preis (Hamburg); Kerrat: Großer Preis der Holsten Brauerei (Hamburg); Neidus: Rennen Nr. 4 (Straubing); Our Country Pride: Großer Weihnachts-Preis (Gelsenkirchen); Unexspected: A+M-Pokal (Gelsenkirchen).

1982: Sarna Hanover: Dinslakener Vierjährigen-Preis (Dinslaken), Hanseaten-Preis (Hamburg).

1983: Galilei: A+M-Pokal (Gelsenkirchen); Jasro: Gelsentrab Cup (Gelsenkirchen).

1984: Chiassa: Rheinischer Stuten-Preis (Mönchengladbach), Deutscher Stuten-Preis (Recklinghausen); Esbartero: Großer Philips-Preis (Hamburg); Hi Brisco: Niersia-Pokal (Mönchengladbach), Haneaten-Preis (Hamburg); Ivona Girl: Gold-Pokal (Gelsenkirchen), Preis des Winterfavoriten (Recklinghausen).

1985: Action Nevele: Preis des Winterfavoriten (Recklinghausen), Deutsches Championat der Zweijährigen (Dinslaken); Dissette: Bayerisches Zuchtrennen (Pfarrkirchen), Deutsches Traber St.Leger (Gelsenkirchen); Domenikus: Rheinischer Zukunfts-Preis (Mönchengladbach); Handybus: Greyhound-Rennen (Mönchengladbach); Qualle: Großer Preis von Mönchengladbach (Mönchengladbach); Volturno: Deutsches Criterium der Vierjährigen (München).

1986: Dissette: WAZ-Pokal (Recklinghausen), Rheinischer Stuten-Preis (Mönchengladbach); Lohwald: Robert Großmann-Rennen (B.-Mariendorf); Master Clöving: Deutsches Championat der Zweijährigen (Dinslaken); Reado: Recklinghäuser Criterium (Recklinghausen); World Comfort: Deutsches Traber St.-Leger (Gelsenkirchen).

1987: Argos Liesbos: Großer Preis von München (München), Deutsches Criterium der Vierjährigen (München); Dissette: Preis der Spielbank Hamburg (Hamburg); Power: Rheinischer Zukunfts-Preis (Mönchengladbach), Gold-Pokal (Gelsenkirchen); Reado: Goldenes Bild-Hufeisen (Gelsenkirchen), Goldenes Pferd (Dinslaken); Rikscha: Niersia-Pokal (Mönchengladbach).

1988: Camp Marywood: Criterium der Zweijährigen (Pfaffenhofen); Express Victrix: Versuchsrennen der Stuten (Hamburg); Monteverdi: Deutsches Traber St.-Leger (Gelsenkirchen); Mystry Wild: Rheinischer Stuten-Preis (Mönchengladbach); Reado: Großer Preis der Stadtsparkasse Gelsenkirchen (Gelsenkirchen); Tattersall: Gelsentrab Cup (Gelsenkirchen); Urcano: Deutsches Traberchampionat (München).

1989: Ata Dee: Gold-Pokal (Gelsenkirchen), Preis des Winterfavoriten (Recklinghausen); Chrissie E: Rheinischer Stuten-Preis (Mönchengladbach); Galicia: Arthur Knauer-Rennen (B.-Mariendorf), Deutsches Traber St.-Leger (Gelsenkirchen); Irisante: A+M-Pokal (Gelsenkirchen); Reado: Großer Preis des Astra-Brauhauses (Hamburg), Recklinghäuser Meile (Recklinghausen); Sachalin: Rheinischer Zukunfts-Preis (Mönchengladbach).

1990: Ingo Hanover: Großer Astra-Preis (Hamburg); Rikscha: Rheinischer Stuten-Preis (Mönchengladbach); Sir Action: Versuchsrennen der Zweijährigen (Hamburg), Rennen Nr. 4 (Straubing), Deutscher Zweijährigen-Preis (Hamburg), Bayerischer Jugend-Preis (München), Gold-Pokal (Gelsenkirchen), Preis des Winterfavoriten (Recklinghausen), Gran Criterium (Mailand).

1991: Cobira: Gran Criterium (Mailand); Royal Calex: Elmshorner Pokal (Elmshorn); Sir Action: Trophäe der Dreijährigen (Recklinghausen); Voice: Rheinischer Stuten-Preis (Mönchengladbach).

1992: Blue Gee: Jugend-Preis Stutenrennen (B.-Mariendorf), Preis des Winterfavoriten (Recklinghausen); Corrie Kort: Bayerisches Zuchtrennen (Pfarrkirchen); Edel Cheever: Pokal der RheinfelsQuelle (Dinslaken); Never White: Großer Preis der Bitburger Brauerei (Gelsenkirchen).

1993: Reado: Deutsches Traberchampionat (München); Sea Cove: Bild-Pokal (Gelsenkirchen); Sunset Lane: Walter Heitmann-Rennen (Hamburg).

1994: Famous November: Preis des Winterfavoriten (Recklinghausen); Pik König: Rheinischer Zukunfts-Preis (Mönchengladbach), Bayerischer Jugend-Preis (München), Gold Cup (Gelsenkirchen), Gran Criterium (Mailand); Ypsilon Lobell: Bernhard Frahm-Rennen (Hamburg), Bayern-Pokal (München), Großer Herbst-Preis der Traber (Pfaffenhofen).

1995: Famous November: Adbell Toddington-Rennen (B.-Mariendorf), Großer Preis der NRZ (Dinslaken); Ferrari November: Permit-Rennen (Hamburg); Grace November: Walter Heitmann Cup (Hamburg); Pik König: Trophäe der Dreijährigen (Recklinghausen), Deutsches Traber-Derby (B.-Mariendorf), Bayern-Pokal (München), Deutsches Traber St.-Leger (Gelsenkirchen).

1996: Chronik: Diebels Cup (Dinslaken), Kommerzienrat Wilhelm Kraus-Rennen (München); Famous November: A+M-Pokal (Gelsenkirchen), Agrippina Cup (Recklinghausen); General November: Bayern-Pokal (München), Deutsches Traber-Derby (B.-Mariendorf), Deutsches Traber St.-Leger (Gelsenkirchen), Krone der Dreijährigen (Hamburg); Highlight November: Walter Heitmann Cup (Hamburg); Homerun November: Championat der Zweijährigen (Dinslaken); Pik König: Gran Premio Tino Triossi (Rom).

1997: Chronik: Daglfinger Stuten-Preis (München), Deutschland-Pokal (Hamburg); Gerd November: Niersia Pokal (Mönchengladbach); In Love November: Rennen Nr. 4 (Straubing), Bayerischer Jugend-Preis (München).