Stella Maris

hellbraune Stute v. Muscletone – Stella Brewer

gez. 1940 v. Franz Neubauer, eingegangen 1968

Rekord: 7j. 1:20,2 – Gewinne: 697.200 Reichsmark

Stella maris war ein Kriegskind. So wurde die Rennkarriere der Stute überschattet durch die Kriegsfurie, die über die Berliner Rennbahnen und die Gestüte im Berliner Umland hinweg fegte. Nichtsdestotrotz legte Stella maris zwischen 1942 und 1947 eine außergewöhnlich erfolgreiche Rennkarriere hin, die in 11 Zuchtrennensiege gipfelte.

Unter den Fittichen von Johannes Frömming brillierte die Stute des Gestüts Damsbrück bereits zweijährig in drei Berliner Zuchtrennen. Das Zukunfts-Rennen gewann Stella maris in der Rennrekordzeit von 1:25,6 / 1800 Meter und den Jahrgangs-Vergleichspreis in 1:28,8 / 1620 Meter. Den Präsidenten-Preis musste sich Stella maris mit Heston teilen. Beide Pferde endeten in 1:27,2 / 1400 Meter im toten Rennen.

Ihre Dreijährigenkarriere wies als Höhepunkt den Gewinn der „Dreifachen Krone“ auf. Mit Hans Frömming siegte Stella maris als 13:10-Favoritin im Deutschen Traber-Derby, im Adbell Toddington- und Buddenbrock-Rennen. Nach Britton (1928), Signal (1929), Cicero (1931) und Dachs (1939) war Stella maris erst die vierte Gewinnerin, der dieser Sweep gelang.

In den Jahren 1944 und 1945 ruhte der Trabrennsport in Deutschland weitestgehend. Die Menschen hatten andere Sorgen, als sich beim Pferderennen zu amüsieren. Stella maris überlebte die Kriegswirren, als sie 1945 aus einem zerbombten Stall gerettet werden konnte. Ihre Mutter, die 1940 aus Amerika importierte Stella Brewer, kam darin um.

Nach der Geburt von Stella maris‘ ersten Fohlen 1946, das einem Weideunfall entsprang, setzte die Stute ihre Rennlaufbahn nach dem Abfohlen fort. Ihr ursprünglicher Betreuer, Johannes Frömming, hatte sein Betätigungsfeld mittlerweile nach Italien verlegt, und Stella maris war in die fachlich hochbegabten Hände von Johnny Mills gelangt. In Berlin-Karlshorst triumphierte Stella maris 1946 im Großen Preis von Karlshorst und im Großen Jubiläums-Preis von Berlin in Mariendorf. Gegen Lumine und Lully behielt die Stute in 1:20,8 / 1645 Meter die Oberhand.

Für die letzten Monate von Stella maris‘ Rennlaufbahn liegen uns vollständige Aufzeichnungen vor. Sie zeigten die Stute besser denn je auf dem Posten. Im Gatermann-Erinnerungsrennen 1947 in Berlin-Karlshorst scheiterte Stella maris nur an der Riesenaußenseiterin Bammeline, der sie keine 100 Meter Vorgabe leisten konnte. Auch in den American Stakes eine Woche später in Mariendorf waren 75 Meter Zulage gegen Nobleness ein zu großes Handicap, obwohl Stella maris mit 1:20,5 Nachkriegs-Bahnrekord trabte.

Es folgte das Matadoren-Rennen, dass Stella maris in drei Stechen gegen Purzel verlor. Dabei verbesserte die Stute erneut ihren eigenen Nachkriegs-Bahnrekord auf 1:20,2. Doch erneut erwiesen sich 60 Meter Zulage als zu schwer.

Besser klappte es eine Woche später in Hamburg-Farmsen, wo das Gladiatoren-Rennen auf der Tageskarte stand. Leicht mit mehr als zwei Längen siegte Stella maris und sicherte sich mit 70.000 Reichsmark den größten Scheck ihrer letzten Saison.  Der Steher-Pokal des Altonaer Renn-Clubs eine Woche später verlangte von Stella maris sogar bis zu 160 Meter Zulagen. Das war gegen den bayerischen Gast Olaf Bush nicht möglich.

Gut erholt von den jüngsten Strapazen zeigte sich Stella maris im Großen Preis von Mariendorf, einst das längste Trabrennen Deutschlands. Trotz Zulagen von bis zu 140 Meter siegte sie gegen Flottweg und Sichel in 1:26,2 / 4360 Meter. Ihr letzter großer Triumph gelang der Stute im erstmals ausgetragenen Gelsenkirchener Elite-Rennen, das Stella maris gegen 19 Konkurrenten vor Kampfflieger und Elsemarie in 1:24,5 / 2520 Meter in Front sah.

Die Zuchtkarriere von Stella maris im Gestüt Damsbrück ihres Züchters Franz Neubauer begann kurios. Wie eingangs erwähnt, gebar Stella maris unerwartet. Vater des 1946 geborenen Stutfohlens soll der zum Zeitpunkt der Zeugung erst einjährige Hengst Leno v. Muscletone gewesen sein. Da auch Stella maris von Muscletone stammte, war Stella bella somit ein Inzestprodukt.

Doch wenn der „liebe Gott“ seine Finger im Spiel hat, sind Wunder nicht auszuschließen. Stella bella jedenfalls ist als Novum in die deutsche Nachkriegsgeschichte eingegangen. Die Stute siegte 1948 mit Gerhard Krüger im renommierten Jugend-Preis und 1949 sowohl im Deutschen Traber-Derby West als auch im Deutschen Traber-Derby Ost. Die Stute wurde später in der ostdeutschen Zucht Mutter der Zuchtrennensieger Bellus und Epikur.

1952 gebar Stella maris ein Stutfohlen, das den Namen Stella magis erhielt. Ihr Vater war der in der einstigen DDR wirkende Allegretto. Stella magis siegte in zahlreichen Zuchtrennen der DDR und ist mit einem Rekord von 1:18,6 der schnellste Nachkomme von Stella maris.

Stella maris‘ nächstes Produkt war die 1954 geborene Stella allegro 1:22,6 v. Allegretto. Stella allegros letzter Nachkomme war der vom Gestüt Lasbek gezüchtete legendäre Pit Pan 1:15,4, Gewinner von 219.089 Euro.

1957 erblickte mit Stentor 1:19,2 / 108.438 Ostmark v. Allegretto der erste männliche Nachwuchs von Stella maris das Licht der Welt. Stentor war ein Klassepferd, der 1960, vor dem Bau der Berliner Mauer, im Buddenbrock-Rennen gegen die West-Elite triumphierte. In der Zucht zeugte Stentor fünf Derby-Sieger der DDR (Eros, Marathon, Tobby, Elimar, Sommerwind).

Das nächste As der Stella maris war 1960 der Epos-Sohn Stepp 1:20,7 / 160.674 Ostmark. Auch dieser Hengst sammelte nicht nur auf der Rennbahn in Berlin-Karlshorst so manchen Lorbeerkranz, sondern auch in den sozialistischen Ländern Osteuropas. Auch Stepp war in der Zucht erfolgreich. Er wurde Vater von drei Derby-Siegern der DDR (Birkholz, Roswitha, Rittersporn).

Nach dem Mauerbau verkauften die Erben von Franz Neubauer Stella maris an Kurt Hörmann nach Henstedt in Schleswig-Holstein. Stella maris‘ letztes Fohlen war die 1965 geborene Stella quinta v. Quintus Harvester, dessen erfolgreichster Nachkomme sie war.

Stella quinta gelangte erst im Alter von fünf Jahren an den Start, nach dem Abfohlen ihres ersten Fohlens Steppke 1:16,1 / 113.849 Euro, der ein Klassepferd war. In nur drei Rennsaisons gestaltete Stella quinta 33 ihrer 50 Lebensstarts siegreich. Ihren bedeutendsten Erfolg erzielte sie im Großen Preis von Bahrenfeld 1972.

               
1946 Stella bella 1:27,8   hellbr. S. angebl. v. Leno Sieger: Jugend-Preis 1948
Deutsches Traber-Derby West 1949
Deutsches Traber-Derby Ost 1949
Mutter der Zuchtrennensieger Bellus 1:24,8 und Epikur 1:23,7
1951 Stella dubia     br. S. v. Allegretto  
1952 Stella magis 7j. 1:18,6   br. S. v. Allegretto Sieger: Bruno Cassirer-Rennen 1956
Nikolai Bersarin-Rennen 1956
Großer Preis der DDR 1957
Karlshorster Pokal 1958
Großer Preis der DDR 1959
1954 Stella allegro 5j. 1:22,6   br. S. v. Allegretto Mutter des Zuchtrennensiegers Pit Pan 1:15,4 - 219.089 Euro
1957 Stentor 7j. 1:19,2 108.438 Ostmark F. H. v. Allegretto Sieger: Zukunfts-Preis 1959
Buddenbrock-Rennen 1960
Dreijährigen Elite-Preis 1960
Frühjahrpreis der Dreijährigen 1960
Karlshorster Pokal 1962
Karlshorster Pokal 1965
Großer Preis der DDR 1965
Marschall Jozsef Emlekverseny 1965
1959 Stellit 1:25,6   br. H. v. Epos  
1960 Stepp 10j. 1:20,7 160.674 Ostmark dbr. H. v. Epos Sieger: Herbstpreis der Zweijährigen 1962
Preis des Winterfavoriten 1962
Frühjahrs Zuchtpreis 1969
Großer Preis der DDR 1970
Marschall Jozsef Emlekverseny 1970
1964 Stellarius     br. H. v. Quintus Harvester  
1965 Stella quinta 6j. 1:20,2 87.900 DM br. S. v. Quintus Harvester Sieger: Großer Preis von Bahrenfeld 1972
Mutter des Zuchtrennensiegers Steppke 1:16,1 - 113.849 Euro

 

Die Zuchtrennensiege von Stella maris

1942: Zukunfts-Rennen, Jahrgangs-Vergleichspreis, Präsidenten-Preis
1943: Adbell Toddington-Rennen, Buddenbrock-Rennen, Deutsches Traber-Derby (Dreifache Krone)
1946: Großer Preis von Karlshorst, Großer Jubiläumspreis von Berlin
1947: Gladiatoren-Rennen, Großer Preis von Mariendorf, Elite-Rennen