Kurt Hörmann

geb. 26.3. 1926 - gest. 10.6. 2010

Sechs Jahrzehnte im Traber-Sulky in wenigen Sätzen abzuhandeln scheint fast unmöglich. Über das Leben und die trabrennsportliche Karriere von Kurt Hörmann hat Heinz-Otto Stemper daher das lesenswerte Buch „Ein Derby-Sieger blickt zurück“ geschrieben.

Kurt Hörmann begann seine Lehre 1942 bei Otto Hofmann in Hamburg-Farmsen. Bereits ein Jahr später errang „Kutti“, wie ihn seine Freunde nannten, mit 10 Siegen das deutsche Lehrlingschampionat, das er 1944 mit 15 Siegen erfolgreich verteidigen konnte.

Die folgenden Jahre waren eine harte Zeit für Kurt Hörmann, denn kurz vor Kriegsende wurde er zur Wehrmacht einberufen. Nur mit viel Glück überlebte Kurt Hörmann eine fünfjährige Kriegsgefangenschaft in Russland. Bis auf 39 Kilo Körpergewicht abgemagert kehrte er im November 1949 heim.

Das Schicksal hatte einiges gut zu machen mit Kurt Hörmann. Seine Trainerlizenz bekam er quasi „geschenkt“, und unter den ersten fünf Pferden, die Kurt Hörmann 1950 in Training erhielt befand sich mit Horrido ein späterer Crack, mit dem Kurt Hörmann 1952 sein erstes Zuchtrennen gewann.

Horrido, Ortello und Hindumädel hat Kurt Hörmann als die drei Pferde bezeichnet, die seinen Aufstieg begründet haben. Insgesamt 16 Zuchtrennensiege gingen auf dieses Trio, darunter hochkarätige Erfolge mit Hindumädel im Deutschen Traber-Derby 1955, mit Horrido im Elite-Rennen 1954 und im Matadoren-Rennen 1956, und mit Ortello im Gladiatoren-Rennen 1956. Mit Horrido war der junge Kurt Hörmann 1956 sogar in Paris-Vincennes im Prix d’Amerique am Start.

Die frühe Freundschaft zu Charlie Mills ermöglichte es, dass Kurt Hörmann 1963 erstmals ein Engagement beim unvergleichlichen Charlie Mills erhielt. In diese Zeit fielen seine bedeutsamen Siege mit Morlant D., Pepite und Quosiris D. in den Pariser Klassikern Prix du Bourbonnais, Prix de la Marne und Prix de Selection. Im Winter 1963/1964 war Kurt Hörmann nach Siegen und Gewinne der erfolgreichste Fahrer des Meetings.

Kurt Hörmann war von nun an Pendler zwischen Hamburg und Paris. Gelegentliche Kurzbesuche in der französischen Metropole wechselten sich mit Engagements in Hamburg ab. Anfang der 70er Jahre trainierte Kurt Hörmann mit großem Erfolg das Lot von Hermann-Friedrich Bruhn. 1973 errang Kurt Hörmann mit 124 Siegen sein 10. Norddeutsches Fahrer-Championat. Es war umso bemerkenswerter, als sämtliche Siege als Privat-Trainer des Stalles Bruhn erzielt wurden. Allo Mannetot, Boss und Shammy Tara hießen einige der Cracks, mit denen Kurt Hörmann für den Stall Bruhn Zuchtrennen-Lorbeeren einfahren konnte.
Ein weiterer Meilenstein in der Karriere Kurt Hörmanns war der im Besitz seiner Tochter Rosita Brammann befindliche Corner, der 1976 und 1977 als ungeschlagenes Pferd seinen Jahrgang beherrschte. Nach acht Zuchtrennen-Siegen in Folge war der Derby-Triumph eigentlich eine ausgemachte Sache, doch kurz vor dem Derby erkrankte der Hengst.

Erwähnenswert sind des Weiteren Kurt Hörmanns erfolgreiche Gastspiele 1979 / 1980 mit Meadow Matt in Enghien und Cagnes-sur-mer sowie die Erfolge in den 80er Jahren für den Stall von Harald Grendel. Insbesondere mit Spice Island gelangen Kurt Hörmann mehrere spektakuläre Siege auf höchstem Niveau in Frankreich und Deutschland. Im Solvalla-Elitloppet 1983 endeten Kurt Hörmann und Spice Island auf einem ehrenvollen zweiten Platz.

Kurt Hörmanns letzter großer Sieg geschah 1986, als er im Stern-Pils-Pokal in Gelsenkirchen den Riesenaußenseiter Winnetou gegen 15 Konkurrenten zur Quote von 1.232:10 zum Sieg steuerte. In der Geschichte des deutschen Trabrennsports hat es niemals einen größeren Außenseitererfolg in einem Zuchtrennen gegeben.

Vom ersten Sieg 1943 mit Landmann bis zum letzten Sulky-Erfolg am 21. März 2000 mit der Stute View hat Kurt Hörmann in sechs Jahrzehnten 3.350 Siege erzielt.

10 Norddeutsche Fahrer-Championate

Kurt Hörmanns Zuchtrennensiege:
1952: Horrido: Dreijährigen Prüfungs-Preis (H.-Farmsen), Großer Dreijährigen-Preis der Bundesrepublik (H.-Farmsen)

1953: Aref: Otto Nagel-Rennen (H.-Bahrenfeld); Horrido: Josef Berlage-Rennen (Gelsenkirchen); Ortello: Schwarze Diamanten (Recklinghausen), Westfalen-Preis (Recklinghausen)

1954: Aref: Otto Nagel-Rennen (H.-Bahrenfeld); Cora T.: Orakel der Dreijährigen (Recklinghausen), Dreijährigen Prüfungs-Preis (H.-Bahrenfeld); Hindumädel: Altonaer Zuchtpreis (H.-Bahrenfeld); Horrido: Robert Großmann-Rennen (B.-Mariendorf), Elite-Rennen (Gelsenkirchen), Großer Alster-Preis (H.-Farmsen), Hammonia-Preis (H.-Farmsen)

1955: Cora T.: Preis der Fortuna (H.-Farmsen), Münchner Pokal (M.-Daglfing); Domgraf: Dreijährigen Prüfungs-Preis (H.-Bahrenfeld); Hindumädel: Deutsches Traber-Derby (B.-Mariendorf), Orakel der Dreijährigen (Recklinghausen); Horrido: Großer Alster-Preis (H.-Farmsen)

1956: Annepermit: Frühjahrs-Preis der Vierjährigen (H.-Bahrenfeld); Cora T.: Großer Preis von Recklinghausen (Recklinghausen); Horrido: Matadoren-Rennen (B.-Mariendorf); Nixe: Sommer-Preis der Dreijährigen (H.-Bahrenfeld); Ortello: Nienhausen-Rennen (Gelsenkirchen), Gladiatoren-Rennen (H.-Farmsen)

1957: Arnulf: Germania-Preis (H.-Farmsen), Hanseaten-Preis (H.-Farmsen); Cora mia: Stuten Prüfungs-Preis (B.-Mariendorf)

1959: Progusta: Germania-Preis (H.-Farmsen), Hanseaten-Preis (H.-Farmsen)

1960: Blau Bush: Westfalen-Preis (Recklinghausen).

1961: Abendlicht: Championship von Bahrenfeld (H.-Bahrenfeld); Orelia: Hammonia-Preis (H.-Farmsen)

1962: Hurrikan: Großer Deutscher Traber-Preis (H.-Bahrenfeld); Thesis: Pokal der OBT (B.-Mariendorf)

1963: Niha: Münchner-Pokal (M.-Daglfing); Pernoll: Bahrenfelder Zuchtpreis der Vierjährigen (H.-Bahrenfeld)

1965: Dompfeiferin: Hammonia-Preis (H.-Farmsen)

1966: Miras: Münchner Pokal (M.-Daglfing)

1967: Heidespuk: Großer Preis von Mariendorf (B.-Mariendorf), Großer Preis von Westdeutschland (Gelsenkirchen), Westfalen-Preis (Recklinghausen); Kerr: Goldenes Pferd (Dinslaken); Onkel Wilhelm: Germania-Preis (H.-Farmsen)

1968: Ginster: Großer Deutscher Traber-Preis (H.-Bahrenfeld)

1969: Minisink Hanover: Otto Kloß-Rennen (H.-Farmsen)

1970: Allo Mannetot: Großer Preis von Niederbayern (Straubing); Mariet: Stuten-Pokal (Gelsenkirchen)

1971: Elves: Iltis-Rennen (Gelsenkirchen), Otto Nagel-Rennen (H.-Bahrenfeld)

1972: Boss: Altonaer Zuchtpreis (H.-Bahrenfeld), Walter Eckelmann-Rennen (H.-Bahrenfeld); Jaguar: Otto Nagel-Rennen (H.-Bahrenfeld); Stella quinta: Großer Preis von Bahrenfeld (H.-Bahrenfeld)

1974: Shammy Tara: Iltis-Rennen (Gelsenkirchen), Nienhausen-Rennen (Gelsenkirchen), Stuten-Pokal (Gelsenkirchen), Greyhound-Rennen (M.-Gladbach)

1976: Corner: Jugend-Preis (B.-Mariendorf), Westdeutscher Jugend-Preis (Gelsenkirchen), Max Herz-Rennen (H.-Farmsen), Preis des Winterfavoriten (Recklinghausen), Rennen Nr. 4 (Straubing).

1977: Corner: Adbell Toddington-Rennen (B.-Mariendorf), Traber-Preis der Dreijährigen (H.-Bahrenfeld), Trophäe der Dreijährigen (Recklinghausen); Topo Pride: Westdeutscher Jugend-Preis (Gelsenkirchen)

1978: Corner: Deutschland-Pokal (H.-Bahrenfeld), Criterium der Vierjährigen (M.-Daglfing); Topo Pride: Traber-Preis der Dreijährigen (H.-Bahrenfeld), Bayerisches Zuchtrennen (Pfarrkirchen).

1979: Corner: Großer Preis von München (M.-Daglfing), Championat der Fünfjährigen (Recklinghausen)

1980: Meadow Matt: Großer Preis von Mönchengladbach (M.-Gladbach); Topo Pride: Simmerl-Rennen (H.-Bahrenfeld), Championat der Fünfjährigen (M.-Gladbach)

1981: Meadow Matt: Internationale Meile (Recklinghausen)

1983: Spice Island: Goldenes Bild-Hufeisen (Gelsenkirchen), Goldenes Pferd (Dinslaken).

1984: Bontano: Gladiatoren-Rennen (H.-Bahrenfeld); Nimes: Kommerzienrat Wilhelm Kraus-Rennen (M.-Daglfing); Spice Island: Goldenes Bild-Hufeisen (Gelsenkirchen)

1986: Erasmuss: Großer Preis von Schleswig-Holstein (Elmshorn); Winnetou: Stern Pils-Pokal (Gelsenkirchen)

Zuchtrennensiege im Ausland:
1964: Morlant D.: Prix du Bourbonnais (Vincennes); Pepite: Prix de la Marne (Vincennes); Quosiris D.: Prix de Selection (Vincennes)

1980: Meadow Matt: Prix de la Cote d’Azur (Cagnes-sur-mer)

1983: Spice Island: Prix du Plateau de Gravelle (Vincennes), Grand Criterium de Vitesse (Cagnes-sur-mer)